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sweet lips

Taucherlebnisse

 

Hier werden Taucherlebnisse in Bali beschrieben, die mir so gefallen haben, dass ich sie aufschreiben wollte. Dabei muss nicht immer etwas Großartiges passiert sein. Einen Walhai habe ich bisher nur einmal gesehen und Wobbegongs sehe ich auch nicht bei jedem Tauchgang und auch die Mondfische sind nicht immer zu sehen. Selbst die Mantas, die man regelmäßig sehen kann, bestätigen diese Regel mit Ausnhamen.

Die neuesten Taucherlebnisse stehen am Anfang. Die älteren weiter hinten.
Wiederholungen sind nicht zu vermeiden. Das ist bei Tauchgängen so, vor allem, wenn es sich um die gleichen Tauchplätze handelt.
Für Anregungen und Kommentare bin ich dankbar.

 

4. Februar, 2011 Tauchen in Padangbai

Der Kapitän der kleinen Jukung, mit dem wir verabredet sind, verlädt die Flaschen für den zweiten Tauchgang. Wir montieren die Ausrüstung auf die anderen Flaschen. Ich bin mit Christoph, einem Münchner Weltreisenden und seiner englischen Freundin, Charly, in der kleinen Hafenstadt Padangbai, von der Fähren nach Nusa Penida und Lombok gehen.
Christoph hat Geburtstag. Er wird 31 Jahre alt und könnte mit seinen faltenfreien Gesichtszügen jünger sein. Er freut sich, als ich ihm sage, dass er gut aussieht.

Wir ziehen die Tauchanzüge an, lassen den Reisverschluss hinten, offen, damit uns nicht zu heiß wird.
Wir gehen mit den restlichen Sachen, ein wenig Geld fürs Mittagessen, der Kamera zum Boot, wo der Kapitän wartet. Wir dürfen einsteigen, er schiebt den zweiseitigen Ausleger aus dem Sand. Wir fahren mehr oder weniger nach Osten, Richtung Lombok, aus der Lagune hinaus. Mit einem lauten Sirenton kündigt ein orangegelbes Fährschiff die Abfahrt nach Nusa Penida an.
Yepun, sage ich zum Kapitän, als wir an braunen, zerklüfteten, wellenumtosten Felsen vorbeifahren, die an die Bilder der Galapagosinseln erinnern. Ich stelle mir Leguane vor, die auf ihnen liegen, um die Illusion der Darwininseln perfekt zu machen.
Wir ankern westlich unseres Tauchreviers, einem Unterwassergebiet, dessen Hauptattraktion ein versunkenes Schnellboot ist und ein U-Boot, das Touristen durch die Korallenriffe schippert.
Charly schnorchelt. Sie macht das zum ersten Mal und braucht einige Minuten, um Zutrauen zu Schnorchel, Flossen und Maske zu gewinnen und daran zu glauben, dass sie in dem Neoprenanzug nicht untergehen kann.
Wir anderen lassen die Luft aus unseren Westen und versinken in einer lautlosen Welt. Ein mit Hartkorallen bedeckter Abhang wird von schlammigem Grund abgelöst. Wir bewegen uns nach Osten, stoßen auf das dicke Ankertau des U-Bootliegeplatzes, um dessen Betonbefestigung Rotfeuerfische schweben. Um sie herum kleine Fischchen, die ihnen zur Beute werden, wenn sie nicht aufpassen.
Eine Muräne sieht uns interessiert an, öffnet ihr Maul mit rasiermesserscharfen Zähnen, schließt es wieder. Ich richte den Lichtkegel meiner Lampe auf sie, damit Christoph sie besser sehen kann.

In zwanzig Metern Tiefe biegen wir nach Süden ab. In dieser Tiefe liegt das Wrack, das wir nach ein paar Minuten erreichen. Die Fledermausfische, die noch vor Monaten zwischen den Eisenstangen geschwebt sind, mögen Harpunierern zum Opfer gefallen sein. Fische mit Verletzungen, die von ausgerissenen Harpunen stammen könnten, sind mir an diesem Tauchplatz begegnet.
Mit surrenden Motoren kommt das U-Boot vorbei. Aus Bullaugen winken asiatische Touristen und lassen ein Blitzlichtgewitter auf uns los. Einen Moment lang halte ich mich an der Reling fest.
Dann fliegen wir weiter nach Süden, kommen an Gittergestellen vorbei, mit denen Korallen gezogen werden. Es funktioniert: Korallen brauchen Sauerstoff und Licht – die Gitter bieten Beides. Auch viele Federsterne haben sich an den Gittern festgesetzt.
Ein großer schwarzer Froschfisch sitzt neben abgestorbenen Korallen auf hellem Sand. Es fällt schwer, die dunklen Augen zu sehen. Merkwürdig, dass der alte Angler so ungetarnt in der Gegend rumsitzt.
Wir essen in der Blue Lagoon zu Mittag, zu der wir vom Auslegerboot hinschwimmen.
Charly bleibt dort zum Schnorcheln. Christoph und ich fahren weiter zum Dropoff. Häufig trifft man hier auf Tintenfische, die keine Scheu vor Tauchern haben. Aber diesmal sind keine da. Ob auch diesmal Harpunierer am Werk waren?
Hunderte von Federsternen in vielen Farben markieren den Beginn des Tauchgangs. Einige sitzen auf den Rändern von großen Becherschwämmen.
Häufig findet man hier auch Schnecken. Einmal habe ich in 34 Metern Tiefe neben einer kobaltblauen Schnecke ein Seepferdchen gesehen.
In sechs Metern Tiefe wird ein oranger Froschfisch von der Dünung hin und her geworfen. Er wirkt hilflos. Vorsichtig halte ich meine Hand so, dass ihn das hin – und her fließende Wasser darauf spülen muss. Dann fordere ich Christoph auf, das Gleiche zu tun und mache ein Foto. Es ist schließlich sein Geburtsta

 

 

Am Freitag und Samstag – 19/20 November – hatte ich meinen ersten kolombianischen Kunden. Ein sympathischer Mann von 40 Jahren, der den Advanced Kurs gebucht hat. Seine Frau, aus Litauen, wollte zum Schnorcheln mitkommen. Die letzten Tauchgänge hätte er vor sieben Jahren gemacht, meinte Oscar und war einverstanden, dass wir einen Großteil des Kurses der Wiederholung grundlegender Fertigkeiten widmeten.
Naheliegend war die Peak Performance Buoyancy zu einem Kursziel zu machen, das er zu meinem Erstaunen spielend bewältigte.
Deep, Navigation, Fotografie und Wreck – die zwei Tage vergingen im Flug.
Meine Vorurteile in Bezug auf Kolumbien wurden durch Oskar und seine Frau relativiert. So gefährlich ist das Land nicht und die Menschen sind freundlich. In Deutschland muss man sich für zwischenmenschliche Kontakte warm anziehen, damit man keine Gänsehaut bekommt – so interpretierte Oskar seine Erfahrungen. Und ich bestätigte: Ja, die Deutschen wirken in ihrem eigenen Land ein wenig trübsinnig, traurig und kontaktscheu – oder übereffektiv und ein wenig arrogant.
Aber wenn man sie näher kennt, sind sie oft sehr liebe Menschen.

 

Triggerfishbegegnung am 16. Oktober an der Pos I, Menjangan, Bali

Ich bin Tauchlehrer und war mit einer Familie aus Bielefeld in Menjangan. Die Steilwände dort sind beeindruckend. Das Schweben im blauen Wasser, der Grund weit unter einem, neben einer mit Weichkorallen und Schwämmen bewachsenen Wand, ist, was man um Menjangan findet. Walhaie kommen auch zu Besuch – selten natürlich. Delfine durchschneiden mit hellen Rücken elegant die Wasseroberfläche. Die Eltern, Martin und Marion, haben vor 16 Jahren einen CMAS – Anfänger-Kurs absolviert und seitdem nicht mehr getaucht. Sie erwarten, dass ich das Erlernte in ihnen irgendwie reaktiviere.
Die Töchter, Laura (15) und Marlene (13), sind voll aufgeregter Vorfreude. Sie haben noch nie getaucht. Ich muss also sehen, was sie an Begabung, an Gefühl für das Fliegen im Wasser mitbringen und vorsichtig sein. Wenn ich im Flachen bleibe, ist die Sicherheit im Wesentlichen gewährleistet.
Das Fliegen über Blau, hoch über dem Grund, ist für Anfänger schwierig. Flaches Wasser ist geeignet mit sandigem Grund, damit keine Korallen zertrampelt werden.
„Pos I“, sage ich zum Kapitän des kleinen Holzboots.
Die übliche Einweisung ist erfolgt, der Hinweis darauf, dass nie der Atem angehalten werden darf, erst recht nicht beim Auftauchen. Dann haben die Kinder die Köpfe im Wasser und atmen. Marlene ist unsicher. Sie möchte ihre Tauchtaufe verschieben. Laura fliegt wie ein Vogel durchs Wasser und benutzt die Arme als Flügel.
Mutter Marion hat nichts vergessen. Die jugendlichen Fledermausfische unter dem Bootssteg, zu Beginn unseres Ausflugs, sind wunderhübsch. Sie bewegt sich elegant. Nur die Ohren wehren sich gegen den Druckausgleich. In fünf Meter Tiefe gleiten wir dahin. Hartkorallen, Anthias, die üblichen hübschen kleinen Bewohner von Korallenwohnungen. Eine riesige Seegurke. Ab und zu frage ich Marion, ob sie Probleme hat. Nein, Alles o.k., signalisiert sie zurück.
Ein grüner Drückerfisch steht mit dem Kopf nach unten über einer Stelle im Sand. Ich bin vielleicht zehn Meter von ihm entfernt. Diese Fischart steht oft senkrecht im Wasser, zieht Korallenstücke in die Höhe, schleppt Seesterne durch die Gegend. Die grünen Drücker sind die größten ihrer Familie, mit beachtlichen Zähnen ausgestattet, die an Biber erinnern. Furchteinflössende Geschichten von Drückerangriffen werden an Taucherlagerfeuern abends erzählt.
Ich stehe reglos im Wasser, Marion ist zwei Meter vor mir. Sie bewegt sich ruhig und elegant. Sie wirkt so, als hätte sie vor zwei Tagen das letzte Mal getaucht. Der Drücker, der sich vielleicht an seinem Nest zu schaffen macht, ist relativ klein, vielleicht 35 Zentimeter groß.
Ein Schmerz wie von einem Faustschlag durchfährt mich. Ich drehe mich zu dem unerwarteten Angreifer, einem Drücker, der wütend versucht, weitere Treffer zu landen. Ich reiße die Arme hoch, der Kerl schießt dagegen. Ich drehe ihm die Flossen zu und scheine ihn erwischt zu haben. Marion ist nun fünf Meter vor mir und schwimmt ruhig wie vorher. Mein Atem geht heftig. Der Kerl beobachtet mich aus einer Entfernung von zehn Metern. Ich zücke ein kleines, schlecht geschliffenes Tauchermesser. Er kommt zurück, schwimmt auf Marion los. Ich bringe mich zwischen sie und ihn, halte ihm die Flossen entgegen. Er dreht ab.
Marion schwimmt ruhig weiter. Schön entspannt. Es sieht gut aus.
Mein Schädel brummt. Er hat mich ein paar Zentimeter über dem Ohr erwischt. Ich fühle mit den Fingern, dass er mir eine Beule geschlagen hat, in deren Mitte ein Riss klafft. Ich bin wütend. Ich wünsche mir eine Harpune. Es müsste einfach sein, den anstürmenden Fisch aufzuspießen. Ich würde ihn essen, nur diesen. Ich bin in friedlicher Absicht gekommen. Aber er hat mich verletzt.
Ich gebe Marion das Zeichen zum Umkehren. Martin will auch noch tauchen. Wir müssen denselben Weg nehmen, den wir gekommen sind. Es gibt keine realistische Möglichkeit, das Revier des Unterwasserrambos zu vermeiden. Ich schwimme zur riffabgewandten Seite, von wo er kommen muss. Da, er greift wieder an. Mit Rücken- und Bauchflosse nimmt er Geschwindigkeit auf. Keine Eleganz. Sein Schwimmstil könnte einen zum Lachen bringen, wenn die Zähne nicht wären.
Mir ist nicht nach Lachen zu Mute. Ich greife nach Marions Hand und zeige auf den Drücker. Er kommt angeschossen. Ich schlage mit den Flossen nach ihm. Dann haben wir sein Revier verlassen.

Auf dem Boot erzähle ich, was passiert ist. Tatsächlich hat Marion nichts von dem Beißangriff mitbekommen. Sie ist Krankenschwester. „Der hat dich ganz schön erwischt. Ich seh mir das nachher noch mal an, wenn die Haare trocken sind.“
Ich tauche mit Martin zuerst ein Stück in die andere Richtung. Am Abend erzählt mir ein Angestellter eines Tauchcenters in der Nähe von einem Divemaster, dem ein Drücker ein Stück von der Oberlippe abgebissen hat.
Ich bin also gut weggekommen. Hier kann man sehen, wie die Drücker angreifen: KLICK.

 

Freitag, 9. April, 2010 Tulamben

Wieder Tulamben. Klar, wieder und wieder. Tulamben, am Wrack der USS Liberty, die ein merkwürdiges Schicksal erlitten hat: Ursprünglich Handelsschiff, wurde sie für den Krieg gegen Japan zu einem kraftstrotzenden Wellenkreuzer umgerüstet. Ein japanischer Torpedo hat die Träume vom Schiffeversenken beendet. Die Liberty konnte von Glück sagen, dass sie nicht selber unterging. Sie wurde an den Strand des Dörfchens Tulamben geschleppt, von dem damals noch kein Taucher gehört hatte. Gut: damals war das Tauchen, das Sporttauchen zumindest, noch unbekannt. Die Liberty lag am Ufer von Tulamben sah goldene Sonnenaufgänge und das Verschwinden unseres wärmenden Gestirns hinter dem Kegel des Gunung Agung, erlebte die Hitze des Tages, die Flut der Regenfälle und rostete vor sich hin.
Bis zum Jahr 1963 wo die Sonne den Berg nicht in goldenes Licht tauchte, sondern glühend heiße Lava Alles verbrannte, was ihr in den Weg kam und einen roten, gespenstischen Schimmer verbreitete. Lava und umherfliegende Felsbrocken versenkten das Schiff, das glucksend und voller Scham in den Wellen versank.

47 Jahre später - auf ein paar Tage hin oder her kommt es nicht an - eine Woche nach Karfreitag, bin ich mit zwei Finnen am Wrack. Wir sind um sechs aufgestanden. Kurz nach sieben schließt sich die Wasseroberfläche über uns. Riesige Süßlippen glotzen uns mit Angelina Jolie - Blick an. Etwas weiter hebt sich eine Schule grau blauer Humphead - Papageienfische dunkel gegen die Wasseroberfläche ab. Die Finnen schwimmen in die große Fischfamilie. Ich filme. Die Menschlein schweben hinter den großen Papageienfischen und wirken nun sehr klein. Wir folgen der Schule zum tieferen Teil des Schiffs im Südwesten. Da, ein stattlicher Barrakuda fliegt an uns vorbei. Ich versuche, ihm zu folgen. Er ist zu schnell. Zackenbarsche schwimmen unter uns durch. Eine andere Gruppe von Tauchern kommt uns entgegen. Das Wrack ist voll von Fischen und Tauchern. Die Sicht ist ungewöhnlich gut. Vielleicht dreißig Meter. Am entlegensten Ende des Wracks, die "Liberty" war 140 Meter lang, kehren wir um. Im schwarzen Sand, der an die Geburtsstunde des Tauchschiffs "Liberty" erinnert, kriecht eine dünne Schleimspur. Durchsichtig. die Sandpartikel darunter sind gut zu sehen: Eine Mischung aus Schlange und lebendigem Klebeband, die sich über den Sand schiebt und zieht.

Über dem höchsten Teil des Schiffs kreist ein Schwarm von Bigeye Travelley. Mittendrin große Raubfische, die mit den kleinen Beutetieren die Farbe gemeinsam haben und die Form der Flossen. Die Mäuler dagegen sind auch relativ zu ihrer Körpergröße riesig. Sie sollten mühelos fähig sein, Fische mit einem Viertel ihres Gewichts zu verschlucken. Dabei haben die kleinen Großaugen nur ein Zehntel ihres Gewichts. Aber sie sind alles Andere als einfach zu erwischen. Der Schwarm ist ihr bester Schutz. Die Räuber müssen Glück haben, um Beute zu machen. Sonst können sie nur kranke oder alte Tiere erwischen.

Im Flachen gelb - schwarze Süßlippen. Drei Seehasen stehen im Wasser. Als ich sie filme drehen sie mir den Rücken zu. So können sie durchstarten, falls ich versuchen sollte, sie zu erwischen.

Als wir nach 73 Minuten vor dem Puri Mada auftauchen, meint einer der Finnen: Das war mein schönster Tauchgang bisher.

 

Ostersonntag, 4.April, 2010

Ein japanischer Gast feierte seinen 200 sten Tauchgang. Er arbeitet in Jakarta und kommt regelmäßig nach Bali. Er wollte sein Jubiläum unbedingt mit den Mantas vom Mantapoint auf der Südwestseite Nusa Penidas feiern. Eine hübsche Idee, Mantas sind schöne Gäste für ein Tauchjubiläum. Kusanosan erinnert vor den Tauchgängen an einen Weihnachtsbaum, an den Geschenke für Unterwasserfotographen gehängt sind. Zwei Kompaktkameras, eine mit Blitzen und Vergrößerungsgläsern für Makroaufnahmen ausgestattet, die andere für die erhofften großen Flieger der Meere.

Die Dünung war auch unter Wasser deutlich zu spüren. Ein Schweizer hat schon an der Oberfläche die Fische mit seinem halbverdauten Frühstück gefüttert, sich dann aber tapfer an der Suche nach den Mantas beteiligt. Die Sicht ist o.k. Ossi ein ehemaliger Open Water Schüler, mit nur sechs Tauchgängen, kommt mit dem hin - und her schiebenden Wasser nicht zurecht und erhält die Erlaubnis, sich an meiner Weste festzuhalten. Wir suchen die großen Felsblöcke ab, um die die Teufelsrochen sonst ihre Kreise ziehen. Sie sollten hier sein, zu 90% sind sie hier. Das kann doch nicht sein, dass sie heute woanders sind, wo sich der Japaner so auf diese besonderen Gäste gefreut hat. Nach fünfzig Minuten treten wir den Rückweg an. Ich bin mit Ossi, dem Finnen aus Tampere, ein wenig voraus. Die Oberflächenmarkierung fliegt nach oben wie ein Torpedo. Wir tauchen auf. Der Japaner und Atsuko lassen auf sich warten. Grinsend teilen sie uns auf dem Schnellboot mit, dass unter ihnen ein Manta durchgeschwommen ist. "In welche Richtung", will ich wissen. In Richtung auf die Cleaning Station. Wir anderen sind baff. Alle zusammen beschließen wir noch einen Tauchgang an das Mantaprojekt zu hängen.

Beim zweiten Tauchgang ist die Dünung ist noch stärker geworden, zieht uns immer in eine Richtung und schiebt uns nach zwei Sekunden in eine andere. Nach fünfzig Minuten habe ich genug. Da, die Taucher hinter mir, machen mit ihren Flaschenklopfern wildes Gehämmer. Ossi tappt mich auf die Schulter, zeigt nach oben. Einen Meter über mir fliegen zwei Mantas. Ich beeile mich, die kleine Kamera aus der BCD - Tasche zu kriegen, fotographiere, klar was sonst. Sie verschwinden hinter einem fünf Meter hohen Felsen. Dann kommen sie zurück. Manchmal kreisen sie eine halbe Stunde um den Felsen. Diesmal waren sie nur kurz da, um Kusanosan zu gratulieren. Er freut sich wie ein Schneekönig und zeigt uns beeindruckende Aufnahmen.

Den dritten Tauchgang machen wir in der Crystal Bay. Das Wasser ist mit 24 Grad relativ kalt für Anfang April. "Mondfische", geht mir durch den Kopf. Mola Mola lieben das kühle Wasser, halten sich im August in Gruppen in der Crystal Bay auf, wenn ihnen nicht zu viele Taucher nachstellen. Aber sie sind nicht da. Stattdessen bunte Rifffische, wunderschöne Korallen . Wieder haben wir Strömung, diesmal eine die gleichmäßig von der Selat Toyapakeh in die Bucht drückt, aus der wir ein Stück weit hinaus wollen. Unter Korallenblöcken erhoffe ich Wobbegong Haie. Nein, auch die sind nicht zu sehen. Ossi kommt mit der konstanten Strömung gut zurecht. Strahlende Gesichter auf dem Schiff. Die Riffe der Crystal Bay sind auch ohne Mondfische schön.

 

Gili Biaha, 11. März

Hans und ich entschieden uns für einen “late bird”. 14 Uhr Abfahrt. Klar, um einen Tauchplatz zu kennen, muss man ihn zu verschiedenen Tageszeiten betauchen. Morgens dümpeln auf der Ostseite der kleinen Insel, die manchmal “Pulau Kambing” (Ziegeninsel), manchmal Gili Biaha genannt wird, etliche Tauchboote.
Es gibt eine Haihöhle, was das Tauchen immer interessant macht. Die Strömungen können ziemlich stark sein, was das Tauchen sowohl interessant und spannend, als auch ermüdend machen kann.

Ein paar Kilometer hinter Candi Dasa fahren wir rechts ab.
Der Strand – pasir putih – ist ein kleines Paradies. Wir schleppen die Flaschen zu einem Warung in der Nähe, danach die Lungenautomaten, Tauchwesten etc. und die Videokamera in dem durchsichtigen Ikelitegehäuse.

Das kleine Auslegerboot braucht nur ein paar Minuten, um die Ostseite der Insel zu erreichen. Das Wasser ist sauber, die Sicht hervorragend. Wir lassen uns auf 35 Meter fallen und steuern die Inselwand mit unserem Kompass an. Die Korallen sind spärlich, wie wir es von den strömungsumspülten Stellen Mimpangs und Tepekongs kennen.
Im Strömungsschatten sind dort wie hier Steinkorallen zu finden, in der Strömung kleine hartgesottene, an Entbehrungen und Kampf gewöhnte Wasserwesen.

Die Haihöhle ist leer, abgesehen von den Irrlichtern der Dunkelheit, den großköpfigen, rotäugigen und auch sonst im Schein der Lampe rot leuchtenden Fischen, die auf unser Erscheinen mit aufgeregtem Hin-und-Herschwimmen reagieren. Und abgesehen von goldenen, dickbäuchigen kleinen Fischen. Der Druckunterschied in der Insel geht ganz schön auf die Ohren und entlädt sich über uns in einem Blowhole.

Draußen werde ich Zeuge eines für mich ungewohnten Angriffs von einem großen grünen Drückerfisch auf eine Schildkröte. Ich ergreife Partei für die Schildkröte, weil ich diese Amphibienart mehr liebe als die agressiven Drücker, die mich auch schon angegriffen haben und schwimme so schnell mich meine Flossen durchs Wasser schieben können, auf die beiden Kontrahenten zu. Der Angreifer lässt von der Schildkröte ab, sieht mich mit seinem ihm eigenen schiefen Blick an, als überlege er, mich aufs Korn zu nehmen. Dann scheint er sich anders zu entscheiden und verschwindet, während die Schildkröte in meine und dann weiter in die Richtung von Hans schwimmt, als fühle sie sich dort sicher. Hier könnt ihr das video dazu sehen: Biaha

Große Kaiserfische ziehen ihre unregelmäßigen Zick-Zack-Kurse durch das Riff. Zwei Flötenfische umgarnen sich verliebt. Hunderte von blauen Drückerfischen schwimmen in der Strömung auf und ab. Manche liege schlafend auf dem Grund und flüchten aufgeregt, wenn ich ihre faule Behaglichkeit filme und sie durch meine blendenden Lampen aufgewacht sind.

Wir tauchen zufrieden auf. Am Horizont hat sich der große Vulkan in Wolken gehüllt. Wir lieben die kleine Insel und werden bald wieder hier sein.

 

Dienstag, 2.3.2010

Auf der Fahrt nach Tulamben haben sich die Schleusen geöffnet. Der Himmel hatte Liebeskummer, die Sonne weinte mit Hilfe der Wolken bittere Tränen. Bäume lagen entwurzelt neben der Straße. Die Tränen hatten ihnen das Erdreich weggespült. Die Reisfelder füllten sich bis zum Rand und traten dann über die Ufer. Und dann schwoll der Strom wie in Goethes Zauberlehrling und war nicht aufzuhalten, weil die Natur mein Zauberwort nicht erkennen wollte. “Besen, Besen”, überlegte ich. Wasser floss die Straße entlang, sammelte sich in den Niederungen.
“Seid´s gewesen”, sprach ich laut. Warum nicht, schaden konnte es nicht.
Die Motorradfahrer konnten nicht viel sehen. Wo ich schon kaum Sicht hatte. Im Auto.
Dann waren wir auf dem Parkplatz in Tulamben, gleich neben dem Puri Mada, wo man aufpassen muss, nicht zu weit zu fahren und vorschnell im Meer zu landen, weil der Parkplatz in eine Treppe übergeht, die ein paar Meter vor den Wellen endet.

Wir warteten im Wagen – vergeblich – auf ein Ende des Regens.

Schließlich zog ich im Wagen den Tauchanzug an, um für Wolfgang, einen flickr-Freund, der in Bangkok lebt, einen Regenschirm zu holen. Die Treppenstufen bildeten kleine Sprungbretter, von denen sich Miniwasserfälle ihre Energie holten. “Seid´s gewesen”, wiederholte ich. Aber nicht mehr mit dem Brustton der Überzeugung. Das Schauspiel war einfach zu schön. Vom Dach des Puri Mada fielen an allen Ecken Wasserfälle. Wunderbare Duschgelegenheiten. Die anderen Gäste im Restaurant lachten: Ein Ansporn, die freundlichen Blicke der anderen.

Ich stellte die beiden Flaschen, die ich getragen hatte, ab, fragte nach einem Regenschirm und machte mich auf den Weg zurück zum Wagen.

Es regnete und regnete und regnete. Der Ausdruck himmlischen Kummers nahm kein Ende.
Bevor wir ins Wasser gingen, sahen wir, wie sich der Fluss, den der Wasserfall gespeist hatte, ins Meer ergoss: Eine braune Brühe bildete eine Straße auf blauem Wasser. Dann standen wir in der Brühe, bis zum Bauch, um die Flossen anzuziehn. Mutter Erde verband sich mit Vater Meer. Braun und Blau. Ich setzte die Maske auf, um hinunter zu schaun – braun. Man sah die Hand vor Augen. Grade noch. Mutter Erde, die unklare, die verworrene, die Dschungelgebärerin hatte sich ins helle Blau ergossen. Wir schwammen raus. Nach 50 Metern ließen wir uns in die Tiefe fallen, die dort noch relativ flach ist. Hinter uns eine braune mit Blicken undurchdringliche Wolke.
Vor uns das geheimnisvolle  Blau, das die Umrisse des versunkenen Schiffs freigab. Über uns die Jacks, die ihre eleganten Kreise zogen. Tiefer. Der rote Becherschwamm in 12 Metern. Der Durchgang neben dem großen Frachtraum. Der große Barrakuda zeigt sich uns nicht. Ein anderer Taucher wird später berichten, dass er ihn gesehen hat: “Zwei Meter, fünfzig Kilo schwer”.
Gut, ein Meter ist näher an der Wahrheit und 15 Kilo. Zackenbarsche schwimmen selbstbewusst mit kräftigen Körpern durch das alte Schiff. Die Sicht ist gut. Vielleicht zwanzig Meter.

Als wir auftauchen, hüpfen die Regentropfen immer noch auf der Wasseroberfläche. Himmlischer Liebeskummer ist intensiv. Arme Helios, arme große glänzende Sonnengöttin.
Manche Götter sind eben wie Menschen. Sei nicht traurig, liebe Sonne und schein bald wieder.

 

14.2.2010 Letzter Tag des PADI - Open Water Kurses

Ossi Suhonen und Tuomo Kussinen haben den Open Water Kurs erfolgreich abgeschlossen. Am letzten Tag des Kurses waren wir in Padangbai. Kleine Auslegerboote fahren zu den Tauchplätzen in der Nähe. Das Wasser war relativ kalt, die Sicht hervorragend. Atsuko hat sich um die beiden Fingern gekümmert. Ich habe gefilmt. Ein paarschöne Nudibranches haben sich über den koralligen Untergrund gerobbt.

Tumo und Ossi haben sich gefreut, als ich ihnen bedeutete, dass der Kurs bestanden war.

 

12.2.2010

Der freundliche Tintenfisch in Padangbai

Es hatte etwas Magisches. Er stand ruhig im Wasser, seine Ärmchen in meine Richtung gestreckt. Er sah ein wenig abweisend aus, wenn ich das so sagen kann. Aber vielleicht hab ich das nur in ihn hineingelegt. Vielleicht hatte er von Anfang Interesse an mir, vielleicht war er nicht abweisend, sondern prüfend. Schließlich machen Tintenfische nicht die allerbesten Erfahrungen mit uns Menschen. Ich bin auf ihn zugeschwommen. Er änderte seine Farbe, um mir etwas Mitzuteilen. Aber was? Oder war ihm etwas peinlich, war er unsicher? Entspricht der Farbenfluss auf seinem Körper dem Erröten eines unsicheren jungen Mannes, der von einer allzu schönen jungen Frau um eine Auskunft gebeten wird? Er spielte Farben. Und ließ mich nah an sich heran. Seine Auge erinnert mich an das Auge eines Pferdes, auch wenn es in der Struktur anders ist. Vielleicht ist es das Gutmütige, das aus dem Auge herausscheint (oder ich, wahrscheinlich in es hineinlege), das mir die Ähnlichkeit mit dem Pferdeauge naheliegend sein lässt.
Ich war noch nie so nah an einem Tintenfisch. Das Blasloch an seiner Unterseite öffnet und schießt sich ein wenig, nicht ganz. Damit kann der vielarmige neue Freund mit einem Wasserstoß, einem Wasserrückstoß rückwärts davonflitzen. Ich käme ihm mit meinem Flossenantrieb nie und nimmer hinterher. Aber er will nicht weg. Er hat Interesse an mir. Vielleicht haben es ihm die Lampen angetan, von denen er wohl nichts versteht, kleine Unterwassersonnen sind ihm vielleicht noch nicht oft begegnet. Seine Ärmchen zeigen in meine Richtung. Einmal sind sie ganz dicht am Unterwassergehäuse. Ich strecke ihm vorsichtig einen Zeigefinger hin. Ich rechne damit, dass er nun den Rückzug antritt. Da berühren wir uns. Weich fühlen sich seine Ärmchen an. Ich freue mich, Vegetarier zu sein. Man darf doch neue Freunde nicht einfach aufessen.

 

Makrotauchen in Tulamben am 5.Februar 2010

Wir haben schon viel Videomaterial. Ich (Michael) bin auch recht zufrieden mit der Ausbeute. Aber neulich hat Junko (eine unserer Tauchlehrerinnen) eine DVD gebracht, ungefähr 20 Minuten lang, mit wirklich tollen Unterwasseraufnahmen. Vor allem die Makroeinstellungen waren klasse: scharf, interessant von den Motiven, von den Motivmischungen, von den Farben. Als ich diese Bilder gesehen habe, war mir klar, dass ich auch solches Material brauche, um meine guten Aufnahmen in der Komposition, in der Zusammenstellung zu verbessern. Ich war froh über den praktischen Makroring, den ich von außen auf das Kameragehäuse schrauben kann. So brauche ich mich nicht auf Makro beschränken, kann auch den großen Barrakuda am Wrack filmen und die Bumpheards oder die großen Zackis.
Die Sicht war nicht so gut. Für Motive im Makrobereich ist das kein Problem und auch für andere Nahmotive bis ein Meter Abstand, kann man bei richtig positionierten Lampen filmen, ohne allzu viele Schwebeteilchen anzuleuchten.

Wir haben drei Tauchgänge von über drei Stunden gemacht: Atsuko, japanische Kunden und ich. Der große Barrakuda stand in der Strömung, die gestern gegen 10 ziemlich stark war. Ein großer Zackenbarsch war bei der Zahnpflege und hat, als ich nahe kam, ärgerlich den kleinen, flinken, schlanken Zahnarzt ausgespuckt. Kleine, durchsichtige Krabben, hüpften merkwürdig orientierungslos wirkend zwischen den weichen Stengeln von Anemonen. Winzige Clownfischchen flitzen zwischen den schützenden Stengeln hin und her, als gelte es einen Preis für Geschwindigkeit zu gewinnen. Aber natürlich bin ich der Grund für die Aufregung. Federsterne sehen aus wie ungewöhnliche Pflanzen in der Vergrößerung. Ein schöner Rotbarsch sieht mich mit Glotzaugen fragend an und schwimmt gelassen davon, als ich zu nahe komme. Ich liebe die Falterfische, die spitzmündig um das Licht der Kamera schwimmen.

Ich bin zufrieden mit meiner Ausbeute. Auch ein paar Fotos sind ganz o.k. In Anbetracht der Tatsache, dass ich schnell fotografiert habe und nur zusätzlich zu den Videoaufnahmen noch ein paar unbewegliche Aufnahmen haben wollte. Video link

 

Lipah - Bay, am kleinen "Japanese Wreck" 11.1.2010

Nein, wir waren nicht wegen der Schnapszahl auf der östlichsten Seite Balis tauchen. Das kleine Wrack ist ein schöner Tauchplatz und für Anfänger auch wegen der geringen Tiefe geeignet. Die Oberseite des Wracks ist nur von ungefähr zwei Meter Wasser bedeckt. Das Schiff ist lang nicht so groß wie die Liberty in Tulamben.
Matthias, ein Openwatertaucher mit wenig Erfahrung, ist mit Hans, dem Divemaster, unterwegs. Die Gorgonien in weiß und rot sind beeindruckend. An der Unterseite des Wracks bewegt sich ein Schwarm oranger kleiner Fischchen so, als wären sie ein einziger Organismus und nicht viele kleine Lebewesen. Aber vielleicht ist das ja auch der Fall und es ist nur unsere falsche Wahrnehmung, die die Trennung über die Verbundenheit stellt.
Zur linken Seite (wenn man auf´s Wasser schaut) ziehen sich im flachen Wasser Hartkorallenfelder, über denen blau-grüne Fischchen schweben, die sich, wenn die blubbernden Taucher näher kommen, in ihre Kalkschutzmauern zurückziehen. Etwas weiter unten gibt es große bordauxrote Schwammvasen, die von Putzerfischchen als Arbeitsräume genutzt werden. Zebrafischchen sind in Gruppen zu Gast. Schwarz-weiß gestreift schwimmen sie überrascht ins Blau, als ich mich mit der Videokamera nähere.
Ein kleiner spitzmäuliger Pufferfisch pickt Nahrungsteilchen von einer Gorgonie. Im oberen Teil des Wracks stehen ein paar Fledermausfische. Das Licht, das zwischen den Wrackteilen seinen Weg durchs Wasser findet, ist wunderschön und vor allem sind die Farben im flachen Wasser noch gut zu sehen.
Matthias wird später sagen, dass er diesen Tauchgang von allen in Bali am schönsten fand. Wer Lust hat, auf Video, möge diesem Link folgen.


Sylvester 31.12.09

Der letzte Tag des Jahres. Wie könnte man diesen Tag schöner begehen als im Wasser, als unter Wasser, als mit Fischen und Korallen.

Wir sind kurz nach halb zehn in Padangbai, dem kleinen Hafendorf, von wo die Fähren nach Lombok und Nusa Penida ablegen.
Der alte Mann sitzt wartend unter einem Bambusdach, das ihn gegen die Sonne schützt. Drei finnische Open Water Studenten montieren die Ausrüstung an die Flaschen. Der Alte schleppt Alles auf sein kleines Auslegerboot.
Der letzte Tag des Jahres, der letzte Open Water – Tag für drei finnische Studenten. Sie haben schon vier Tauchgänge in Tulamben hinter sich. Nun können sie schon ein wenig tauchen. Wir können die Tauchgänge zusammen genießen. Das Mädchen balanciert immer noch mit den Händen, bewegt die Arme wie eine Brustschwimmerin. Ihr Freund schwimmt ähnlich. Ich gebe ihm Zeichen. Er hat verstanden. Sieht gut aus, wie er sich nun nur mit den Flossen ruhig vorwärts bewegt. Das “Drop-off” ist voll mit Federsternen. Einige gelbe Schnecken wehen mit kleinen Fahnen auf dem Kopf.
Toni hat die Tarierung vollkommen verstanden. Ich freue mich.
Das Mädchen braucht viel Luft. Wir tauchen nach 37 Minuten in der Blue Lagoon auf.
Der zweite Tauchgang ist nur noch Entspannung. Ich hoffe, dass wir eine Stunde schaffen, atme auf, als mir Sana erst nach 35 Minuten das Halbe-Luft-Zeichen gibt.
Wir verbringen 20 Minuten zwischen 10 und 6 Metern. Die Korallen zwischen der Blue Lagoon und der Hafenbucht sind unglaublich schön. Hartkorallenfelder so weit das Auge reicht, bei einer Sicht von 20 Metern. Süßlippen darüber zeigen uns, wie gut Tarierung sein kann.
Wir tauchen nach genau 60 Minuten unter der “Safety Saussage” auf.
Auf den Gesichtern der Tauchschüler lese ich eine schöne Ruhe. Sie haben das Wichtigste gelernt.

 

Tulamben 11. November 2008

Atsuko schickte mir eine Nachricht mit dem Handy, dass in Tulamben ein Walhai gesehen wurde. Zwei Tage später war ich dort. Der Walhai war nicht der einzige Grund. Der andere Grund war, dass ich Video-Reiseführer von den schönsten Tauchplätzen Balis zusammenstellen will. Aber natürlich wäre der Walhai die Krönung gewesen.

Ich will es vorwegnehmen: Er war nicht mehr zu sehen. Nur Adam, ein tschechischer Tauchunternehmer hat die Sensation bestätigt. Er ist mit ihm länger geschwommen. Hat du Video gemacht, fragte ich ihn.
Nein, Fotos.
Wie sind sie geworden?
Ganz gut. Ein paar mit einer Freitaucherin. Ich war nur einen halben Meter von ihm entfernt.

Der erste Tauchgang war am Dropoff. Runde, schwarze Steine, die der Vulkan 1963 ins Meer und an den Strand gespuckt hat, bilden die Umgebung zu Beginn.
In 18 Metern Tiefe ist eine Putzerstation, in der Garnelen arbeiten.
Sie hüpfen interessiert um die Videokamera. Ich nehme den Lungenautomaten aus dem Mund und nähere mich ihnen langsam mit offenem Mund. Wie muss das für die kleinen Tierchen sein, wenn ein merkwürdiges, ungelenkes Luftwesen um ihre Dienste ersucht?
Vermutlich machen sie sich darüber keine Gedanken. Jedenfalls wird meiner Bitte sofort entsprochen. Ich freue mich, als sich eines der kleinen Kerlchen an meinem Zahnfleisch zu schaffen macht.
Vorsichtig mache ich den Mund wieder zu. Unmerklich ist er verschwunden.
Die Gorgonie in 30 Metern Tiefe, die wichtigste Markierung am Dropoff, ist im unteren Teil arg mitgenommen.
Der obere Teil ist immer noch schön. Gegen die Wasseroberfläche sind Taucher zu sehen.
Langsam tauche ich ins Flache. Ein Napoleon. Ich freue mich und hoffe, dass er in der Nähe bleibt. Tatsächlich zeigt er keine Scheu und lässt mich auf wenige Zentimeter an sich ran. Im Roten Meer Ägyptens mag das normal sein. Hier sind die großen Fische meist scheu. Angeblich sind sie die Attraktion in manchen Aquarien.
Ich filme, er dreht mir vertrauensvoll seine Seite zu. Merkwürdig ist das. Ich überlege, ob die Fische spüren, dass ich aufgehört habe, ihre Artgenossen zu essen und muss lachen.

Beim zweiten Tauchgang am Wrack begegnet mir in geringer Tiefe eine kleine Schildkröte. Ich schwimme über sie hinweg, filme aus der Nähe. Sie löst sich vom Untergrund und wir fliegen zusammen über den schwarzen Schlamm, der sich um das versunkene Schiff abgelagert hat. Ich versuche ganz nah ran zu kommen. Sie hat keine Angst. Zu meiner Freude sehe ich ihren spitzschnabligen Kopf und den faltigen Hals auf dem kleinen Bildschirm meiner Kamera.

Gegen Ende des Tauchgangs kreisen Makrelen über mir. Sie sind meistens am Wrack. Inmitten des Schwarms ein riesiger Räuber, der aussieht wie ein großer Bruder. Sie akzeptieren den Dicken. Was sollen sie auch tun. Er hat Schwierigkeiten, sich auf eine von ihnen zu konzentrieren. Ein paar mal am Tag wird eine Unvorsichtige und Langsame in seinem Magen landen. Das Gesetz der Natur.
Mein geplanter Tauchführer „Tulamben – Dropoff und Wrack“ wird aus etlichen Tauchgängen zusammen editiert sein. Die Aufnahmen, die ich heute gemacht habe, dienen als Ergänzung, Orientierung und Motivation beim Zusammenstellen.
Der große Barrakuda war heute nicht da. Ich habe ihn bei anderen Tauchgängen gefilmt. Ebenso wie die großen Bumphead – Papageienfische.
Zufrieden trinke ich in einem Restaurant, gleich am Wasser, ein Glas schwarzen balinesischen Kaffee.

 

Padangbai 7. Oktober, 2008

Wir tauchen von einem Auslegerboot, einer Jukung. Wir schieben das kleine Boot vom Strand ins Wasser.
Die Ausleger greifen wie vier Beine einer Spinne in kleine Wellen.
Wir verlassen die Bucht. Rechts von uns, bei Blickrichtung hinaus aufs Meer, ist die Anlegestelle
für die großen Fähren, die nach Lombok fahren und nach Nusa Penida. Dort wo raue Felsen und wilde Wellen an Galapagos erinnern, biegen wir nach links ab, fahren an der Blue Lagoon vorbei. DieBlue Lagoon ist einer der hübschesten Plätze für eine Oberflächenpause auf Bali.
Am Drop Off hält unser Steuermann. Das Dropoff ist, wie der Name andeutet, eine Steilwand, die steil nach unten geht. Dort taucht man meist tiefer als an anderen Stellen Padangbai und deshalb tauchen wir dort zuerst.
Wir legen die Ausrüstung im Wasser an. Das ist bei einer Jukung einfacher als andere Möglichkeiten.
Am Anfang unseres Tauchgangs krault ein kleiner Federstern mit acht Armen durchs Wasser. Federsterne halten sich meist mit vielen Beinchen an Korallen fest. Ab und zu sieht man sie, wenn sie auf der Suche nach einem neuen Platz sind, frei schwimmend. Ich mache ein Photo. Der Blitz veranlasst das vielarmige Tierchen, das vielleicht an eine Spinne erinnert, die einem Farn ähnelt, die Bewegungen einzustellen und sich treiben zu lassen. Vorsichtig halte ich ihn mit meiner offenen linken Hand auf und mache ein weiteres Foto. Welch merkwürdiges augenloses Tierchen.
Etwas weiter ein Seestern. Seesterne haben fünf Arme. Er ist in der Mitte hellorange gefärbt, nach außen hin werden die Arme weißlich, wobei die orange Färbung ein schöne Struktur zeichnet, die ganz außen wieder von durchgehendem Orange abgelöst wird.
In zwanzig Metern spüre ich eine Sprungschicht, das Wasser wird deutlich kälter. Mondfische, geht es mir durch den Kopf, könnten jetzt noch in der Nähe sein. Wir gehen bis auf 30 Meter. Die Sicht ist in 30 Metern nicht besonders gut. Nach unten zu sieht das Wasser fast schwarz aus. Dort könnte es Mondfische geben. Aber es sind keine Falterfische zu sehen, die den großen Nomaden der Meere die lederne Haut von Parasiten befreien.
Langsam tauchen wir bis auf zwanzig Meter auf.
Ich mache ein paar Photos von meinem japanischen Tauchpartner. Er ist über sechzig und ein hervorragender Taucher.
An der Wand des Dropoff schlägt uns Strömung entgegen. Wir erreichen die „Blue Lagoon“, sind nun ungefähr 15 Meter tief. Eine Gruppe von Tauchern umkreist einen Korallenblock. Ein Diveguide zeigt mit dem Finger auf etwas.
Als die Taucher weiter geschwommen sind, besichtigen wir die Stelle.
Ein weißer Leaffisch ist schwer zu übersehen. Die Leaffische sind mit den Froschfischen verwandt. Wie diese dienen die umgebildeten Flossen als Füßchen, mit denen sie sich auf dem Untergrund stabilisieren.

Daher auch der Name. Nur sind die Leaffische viel dünner als die Froschfische. Sie hängen in leichter Strömung wie Blätter im Wind. Ihre Augen sind nicht glotzig wie die vieler anderer Fische. Sie erinnern an geheimnisvolle Öffnungen und zugleich könnten sie den Eindruck erwecken, die Fische wären blind.
In fünf Metern machen wir unseren Sicherheitsstopp. Ich schicke die Oberflächenmarkierung nach oben. Das ist in Padangbai ratsam, weil viele Junkungs unterwegs sind und einige Motorboote.

Ich frage den Japaner, ob er zum Strand der „blauen Lagune“ schwimmen möchte. Nein, in der Sonne, auf dem kleinen Boot, ist es ihm gerade recht. Wir unterhalten uns über sein Leben. Er erzählt, dass er sich, als typischer japanischer Angestellter nicht an der Erziehung seiner sechs Kinder beteiligt habe. Ich sage, dass ich das merkwürdig finde. Für einen Moment überlege ich, ob ihn das beleidigt.
Nach einer Stunde beginnen wir unseren zweiten Tauchgang. Wir müssen mit den Wellen aufpassen, überlege ich. Nur nicht im Flachen hochkommen, weil uns das Boot nicht aus den Brechern fischen kann.
Von der Blue Lagoon tauchen wir in Richtung Hafen.
Ein kleiner Tintenfisch kreuzt unseren Weg. Er lässt mich ganz nahe rankommen. Ich fotografiere. Die Augen sind hübsch. Die Mitte bildet eine schwarze Sichel, die nach oben offen ist. Außen sind sie weiß und unten gibt es eine gelbe Umgrenzung.
Etwas weiter eine Anemone mit einem winzigen Clownfisch, der mich anblickt, als ich fotografiere. Der Japaner zeigt mir einen Rotfeuerfisch. Unter einem Korallenblock stehen ein schöner Kaiserfisch und eine Süßlippe.
Harase gibt ein Zeichen, dass er die Reserve gezogen hat.
Ich lasse die Markierung nach oben sausen. Diesmal gehen wir nicht ins Flache. Wir steigen langsam im Freiwasser auf. In fünf Metern geben wir unseren Körpern drei Minuten Zeit, den überflüssigen Stickstoff abzugeben.
Harase strahlt, als das Boot auf uns zukommt. Er taucht gern in Padangbai.

 

Tauchen Padangbai 11.7.2008

 

Padangbai 11.Juli, 2008

 

Ein Bekannter hat, so erzählte er mir, schon lange den Wunsch, die Taucherei zu probieren. Er heißt Budi und macht Web-Seiten. Ein Schreibtischmensch. 46 Jahre alt. Er stammt aus Makassar, der Hauptstadt Sulawesis, hat Jahre in Jakarta gelebt und ist nun in Bali mit einer Frau aus Singaraja verheiratet.
Aber nicht das machte mir Gedanken, sondern eher die Tatsache, dass er keine Lust auf Bewegung hatte, auf Sport und so kaum vorbereitet war auf die Auseinandersetzung mit Wellen und Strömungen, mit denen – gerade im Juli – zu rechnen ist. Um Missverständnissen vorzubeugen: Man muss als Taucher nicht superfit sein. Aber Ausdauer und Kraft hilft natürlich, ungewohnte körperliche Anforderungen schneller zu bewältigen.
Wir trafen uns um sechs in Sanur, verstauten die Ausrüstung in seinem winzigen Wagen, dessen Heckscheibe fehlte. Budi meinte, dass seine Augen nicht gut wären. Ob ich fahren soll, fragte ich. Nein, er fahre gerne und gut. Er konnte nicht sehen, dass ich die Augen verdrehte.
Gegen sieben waren wir in Padangbai. Der Anzug, den ich für ihn eingepackt hatte, war eng. Er hat ungefähr 10 Minuten gebraucht, um reinzukommen. Das kann heiter werden, dachte ich, als wir das Boot aus dem Sand ins flache Uferwasser schoben. Die Wellen waren noch morgenzahm. Gut. Gefährlich würden diese Bedingungen nicht werden. Minuten später erreichten wir die Blue Lagoon. Wir waren die ersten im Wasser. Budi steckte sich das Mundstück des Lungenautomaten in den Mund und paddelte wie eine Futter suchende Ente an der Wasseroberfläche und blickte nach unten. Die Unterwasserwelt Balis schien im Spaß zu machen. Es ist nicht selbstverständlich, dass selbst das einfache Atmen aus dem Lungenautomaten bei Anfängern funktioniert. Nichts ist bei Tauchanfängern selbstverständlich.
Langsam sanken wir nach unten. Ich hatte ihm das Wichtigste erklärt. Dass er ruhig atmen soll und vor allem nicht die Luft anhalten.
Er war vollkommen ruhig. Die ersten paar Meter hielt ich ihn an der Hand. Dann habe ich losgelassen. Er brauchte meine Hilfe nicht mehr. Neugierig erkundete er, ohne sich nach mir umzusehen, die neue Umgebung. Ich blieb auf Tuchfühlung, für den Fall der Fälle – für Probleme, die immer auftreten können. Aber fast nie auftreten.
Als er tief gehen wollte, hab ich ihn zurück ins Flache geleitet. Für Schnuppertaucher sind sieben Meter die Grenze.
Ein kleiner Tintenfisch wechselt Farbe und Form, als wir näher kommen. Viele Eidechsenfische warten im Sand oder auf Korallenstücken auf Beute. Ein Rotfeuerfisch erregt Budis Aufmerksamkeit. Er fordert mich auf zu fotografieren. Dann breitet er die Arme aus, wie ein Fallschirmspringer, legt sich selbstbewusst auf den Rücken, posiert mit erhobenen Händen. Er hat Spaß und genießt seine Rolle. Er fühlt sich kein bisschen unsicher. Unter Korallenblöcken suche ich nach Blattfischen, die um Padangbai häufig sind. Fehlanzeige. Eine mir unbekannte Fischart tanzt Ringelreihen. Ist es anthropozentrisch, zu glauben, dass die beiden unheimlich verliebt in einandersind. Sicherlich sind sie zueinander hingezogen. Für Offensichtlichkeiten braucht man

keine wissenschaftlichen Bestätigungen. Budi ist mit seinen ersten Taucheindrücken zufrieden. Ich hätte nicht erwartet, dass ein unsportlicher Schreibtischtyp auf Anhieb so problemlos mit der Schwerelosigkeit zurecht kommt. Eine wirklich angenehme Überraschung!Auf der Rückfahrt in den Hafen von Padangbai lassen große Wellen das Boot auf – und niederhüpfen. Am Nachmittag werden Brecher gegen den Strand der Blue Lagoon donnern.

Tauchen Mimpang 13.6.2008

Was, du willst am 13.Juni tauchen gehen?
Bist du abergläubisch?
Nein, nicht wirklich.
Aber immerhin, Mimpang mit den Strömungen. Nein, ich mache nur Spaß. Schließlich sind wir Tauchlehrer.
Wir sind am 13.tauchen gegangen. Und natürlich waren wir nicht die einzigen. Aber wir waren die ersten.
David, mit dem ich nach Candi Dasa (Bali) gefahren bin, ist extrem: Wir müssen um viertel nach fünf losfahren, um die besten Bedingungen zu haben. Ich habe die Gezeitentabelle angesehen. Um diese Zeit ist kaum Strömung.
Ich war skeptisch. Nicht wegen den Gezeiten, sondern wegen der Tageszeit. Aber dann waren wir um halb sieben auf dem neu geplasterten Parkplatz am Ortseingang von Candi Dasa. Pak Ririg, der Fischer, der uns mit seinem Auslegerboot zu den Tauchplätzen um die Felsen Mimpangs bringt, freut sich, als er uns sieht. Sein Bauch wird immer größer, geht mir durch den Kopf, als ich ihn sehe. Er ist ein zuverlässiger Skipper mit scharfen Augen, die keinen Taucher an der Oberfläche übersehen. Trotzdem haben wir die knallorangen Oberflächenmarkierungen dabei, die wir vor dem Auftauchen mit Luft füllen, damit sie an die Oberfläche flitzen und dort wie große Kerzen von weitem unsere Position anzeigen. An manchen Tagen werden wir von Mimpang bis fast nach Tepekong getrieben.
Bei der Ausfahrt aus dem kleinen Hafen, beachtet Pak Ririg den Rhythmus der Wellen genau. Es ist wenig Wasser zwischen den Korallen und dem schmalen Bootskörper. Wir sind durch die Engstelle und halten mit voller Kraft des kleinen Motors auf die karstigen Felsen zu, die Mimpang genannt werden.
Es gibt dort schöne Hartkorallen im Flachen. Es gibt Plätze, an denen häufig Weißspitzenhaie im Sand liegen. Im Tiefen ziehen Mondfische ihre Kreise.
Ich habe mein Video dabei und freue mich. Leider ist die Sicht um Mimpang fast immer schlecht.
Wir lassen uns über den Haiplätzen nach unten fallen.
Verflixt. Ich werde von einer unwiderstehlichen Strömung auf die der Insel Tepekong zugewandte Seite Mimpangs getrieben. Ich könnte mich irgendwo festhalten. Aber mit der Videokamera ist das schwierig. Hoffentlich komme ich aus der Strömung, bevor ich im blauen Wasser bin.
Ja, auf der anderen Seite der Felsen lässt die Kraft des Wassers nach.
Ich richte meine Kamera auf ein paar Federsterne, die sich mit ihren dürren schwarzen Füßchen an Korallen festklammern. Sie erinnern an Pflanzen, an bunte Farne. Aber es sind Tiere. Sie sehen merkwürdig aus, wenn sie mit ihren vielen Armen, völlig losgelöst im freien Wasser unterwegs sind, um irgendwo einen neuen Platz zu finden, an dem sie sich festhalten können, um das Wasser nach Nahrung zu filtern. Rote Anthias schwimmen aufgeregt in der Strömung.
Ich sehe mich nach David um. Er ist weg. Später wird er mir erzählen, dass er drei Haie gesehen hat. Dort, wo mich die Strömung erwischt und übers Riff geblasen hat, konnte er sich festhalten.
Ein Tintenfisch sieht mich misstrauisch an, als ich die Kamera auf ihn richte. Er wechselt aufgeregt Farbe und Form und schwimmt rückwärts von mir weg.
Ich schwimme über einen Abhang, über dem blau – schwarze Doktorfische schweben. Sie sind häufig um Mimpang zu sehen. Manche verziehen sich in kleine Löcher, als ich näher komme.
Ich schwimme nach Süden, um dorthin zu kommen, wo ab und zu Mondfische mit offenen Mündern ihre Reinigung genießen. Als ich an die Riffecke komme, ist die Strömung wieder da. Nichts zu machen, mit der Videokamera schon gar nicht. Ohne könnte ich mich vielleicht Hand über Hand nach vorne arbeiten.
Ich ziehe mich zurück. Dahin, woher ich gekommen bin.
Ein paar Moorish Idol schwimmen aufgeregt hin und her. Sie sind hübsch anzuschaun und ähneln den Falterfischen. Aber sie sind nicht Teil der Reinigunskolonne, die sich um die Balimondfische kümmert.
Ich filme und wünsche mir eine Kamera, die lichtstärker ist. Die Sony HC1 ist eine gute HDV-Kamera mit toller Auflösung. Aber lichtstark ist sie nicht.
Als ich in 27 Metern bin sehe ich eine Muräne in einem Loch. Sie öffnet rhythmisch ihr Maul und lässt spitze Zähne sehen. Zwei banded cleanershrimp tanzen vor ihr hin und her. Schön. Ich lasse die Videokamera laufen, schalte die Lampen ein und freue mich über die guten Aufnahmen.
Ich hole den kleinen Kompaktfotoapparat aus der Taucherweste und mache ein Bild. Dann muss ich nach oben. Ich bin gerade in die Deko gekommen. Ich steige langsam bis zur zehn – Meter – Marke auf. Die Korallen sind sehr schön im Strömungsschutz großer Felsen.
Ein guter Tauchgang. Auch ohne Mondfische. Die Wassertemperatur war 27 Grad. Das ist ziemlich warm für die großen Meereswanderer. Es wird wahrscheinlich noch ein paar Wochen dauern, bis sie hier sind.
David und ich sitzen in der kleinen Jukung und genießen die wilden Felsen. Von Bali grüßt uns Agung, der höchste Vulkan und wichtigste Sitz der Götter.
Beim zweiten Tauchgang hoffe ich die Haie zu sehen. Aber sie sind nicht da. Ich schwimme nach Süden, halte nach Mondfischen Ausschau. Es ist noch zu warm.
Ein hübscher grauer Pufferfisch, dessen Oberseite grünlich und weiß gesprenkelt ist, schwimmt auf mich zu.
Schwärme von kleinen blauen Fischen über mir. In fünf Metern mache ich einen Sicherheitsstopp. Pak Ririg freut sich, als wir im Boot sind.
Wir fahren an den zerklüfteten Felsen vorbei zurück nach Candi Dasa.

Bei der Hafeneinfahrt erwischt unser Skipper eine Welle und surft bis zum Strand.

Bali Mantas tauchen 6.6.2008

Nusa Penida: Erster Tauchgang PED, zweiter Tauchgang Mantapoint, dritter Tauchgang Crystal Bay

Kirman, unser Divemaster ließ den Steuermann zu PED, auf der Nordseite Nusa Penidas fahren. PED, warum willst du zuerst dahin, fragte ich ihn.
Damit wir am Mantapoint mit den Mantas allein sind, antwortete er. Nun gut, wir werden nicht allein sein. Aber zumindest werden nicht zu viele Boote am Mantapoint sein. Er grinste.
Die See war glatt. Das Boot flog über die Oberfläche. Ein paar hundert Meter von uns entfernt sprang ein meterlanger Fisch aus dem Wasser. Es hatte den Anschein, als wäre er verfolgt worden, sagte Jack, einer von den anderen Tauchern an Bord. Jack war aus Arizona, aus Umaha, das läge mitten in der Wüste, sagte und wäre eine der heißesten Städte der Erde. Jack war Prediger und bildete Prediger aus. Er hatte Kontakt zu einer Kirchenorganisation in Myanmar. Die Kirche, sagte er, war dort nicht willkommen. Verständlich vom Standpunkt der Diktatoren dort. Alle Organisationen, die Alternativen aufzeigten, waren für die Machthaber gefährlich.

Wir fuhren an der Blue Corner Lembongans vorbei. Ein Tauchplatz, an dem über das Riff getrieben wird, wie am Rhein über den Grund, kurz vor dem Rheinfall. Man muss sich seiner Tauchfertigkeiten absolut sicher sein, wenn man dort tauchen will. Nichts für Anfänger.

PED ist ein Tempel am Ufer. Deshalb heißt der Tauchplatz so.
Die Leine trieb in der Strömung, damit wir gemeinsam abtauchen konnten.
Ich hielt mich fest und blickte nach unten. Die Sicht war gut. Das ist beim Tauchen schon die halbe Miete. Wir ließen uns nach unten fallen. Druckausgleich. Um die 25 Meter gibt es Peitschenkorallen, die spiralförmig wachsen. Man kann da tolle Fotos machen, wenn sie durch den Blitz rot sind und einen guten Kontrast bilden gegen den dunkelblauen Hintergrund oder gegen die Oberfläche.
Unter einem Korallenblock stand ein kleiner Rotfeuerfisch. Leider hat er mir nach dem ersten Foto den Rücken zugedreht.

Gegen Ende des Tauchgangs begegnet mir ein kleiner Napoleon. Er hat keine rechte Lust, gefilmt zu werden und hält Abstand.
Im flachen Wasser fällt mir ein Schwarm winziger hellblauer Fischchen auf. Ich schwimme darauf zu und der Schwarm flüchtet gemeinsam einige Meter bis zu einem Korallenblock und dann verschwinden die vielen kleinen Fischchen zwischen den steinigen Ästen. Wie oft habe ich kleine Fischchen an Korallenblöcken schweben sehen, meist wenige Zentimeter darüber. Und dann haben sie, wenn ich näher gekommen bin, zwischen den Korallen Schutz gesucht. Ein Schwarm kleiner Korallenfischchen ist mir im Freiwasser noch nicht begegnet.
Die kleinen blauen Kerlchen lugen zwischen den Korallenästen hervor.
Ich schaue auf die Uhr. Dann lasse ich meine rote Markierung an die Oberfläche sausen.

Wir sind gespannt auf den Mantapoint. Die Küste ist schroff. Manchmal donnern riesige Wellen gegen die Felsen. Weiße Gischt schäumt. Ein Felsblock von vielleicht zwanzig Metern Höhe bildet ein Tor, durch das Wellen rollen. Ein feiner Nebel liegt flach über dem Wasser. Lucy, die mit ihrem Mann in Tokyo lebt, fragt mich, ob das von der Gischt käme. Ja, ich glaube, antworte ich.
Wir sind da. Die Wellen sind sanft. Keine Brecher, wie manchmal.
Rolle rückwärts. Ich bin drin und wäre am liebsten gleich wieder draußen. Manta hin, Manta her. Tauchen Bali ist Warmwassertauchen. Oder?
Ich weiß, dass das nicht unbedingt so ist. Nicht am Mantapoint, und nicht in Crystal Bay. Für den Mantapoint sollte man einen 5 Millimeter – Anzug anziehen und eine Kopfhaube. Und Handschuhe.
Meiner ist zwei Milimeter und die Handschuhe habe ich auf dem Boot gelassen, weil ich glaubte, es wäre noch nicht so kalt. Kirman schwimmt voraus. Die Mantas sind da. Plötzlich tauchen sie dort auf, wo die Sichtweite zu Ende ist. Die Sicht ist am Mantapoint nie besonders gut. Fotographen sollten mit Weitwinkel arbeiten und langen Blitzarmen, um möglichst wenige der Teilchen im Wasser als helle Punkte auf dem Bild zu haben. Videofilmer sollten möglichst lichtstarke Kameras verwenden.
Es ist ein Reigen an Eleganz und Größe. Ich müsste nur meine Hand ausstrecken und könnte sie berühren. Ich tue das nicht.
Zurück auf dem Boot: Lachende, verfrorene Gesichter.
Jack zeigt uns zufrieden die Aufnahmen, die er gemacht hat. Sehen echt gut aus auf dem kleinen Display. Bei einem kleinen Bildschirm sehen allerdings sehr viele Fotos gut aus, die dann auf einem größeren Bildschirm an Attraktivität einbüßen.

Wir fahren zur Crystal Bay. Mittagessen. Kirman freut sich, als das letzte der anderen Boote Richtung Bali verschwindet.
An der Oberfläche ist das Wasser angenehm warm. In zehn Metern zieht sich wellig eine flirrende Linie, die entfernt an Hitzespiegelungen auf einer heißen Asphaltstraße erinnert: die Sprungschicht. Drunter wird´s kalt. Kirman und Jack tauchen ab. Ich bleibe knapp über der Linie. Lucy auch. Falls Kirman den Arm über die Tauchhaube hebt und damit die lange Rückenflosse eines Mondfisches imitiert, bin ich gleich unten, denke ich. Aber er tut das nicht. Sie sind nicht da.
Auf dem Rückweg filme ich rote Anthiasbarsche, die in Schwärmen über den sehr guten Hartkorallen hin- und herwuseln. Ein paar Kaiserfische ziehen ihre Kreise. Im Blauen schwimmen Falterfische, um ja die ersten zu sein, wenn die Mondfische kommen werden. Ob denen auch kalt wird?

 

Crystal Bay 3.Juni 2008

Die ersten Mondfische in Crystal Bay Bali

Erster Tauchgang Crystal Bay, zweiter Tauchgang Toyapakeh, dritte Tauchgang PED

O.k. ich muss die Überschrift präzisiseren: Die ersten Mondfische, die ich diese Saison in Crystal Bay Bali gesehen habe.
Die Bucht, die Crystal Bay genannt wird, ist schön. Der Strand, zu dem wir rüberschwimmen können, wenn wir zwei Tauchgänge machen, ist von feinstem Sand. Am Eingang der Bucht, vom Meer her gesehen, stehen kantige Felsen, zwischen denen, wenn hohe Wellen sind, Wasser gischtig hervorschießt.
Die Fahrt hinüber nach Nusa Penida, der kleinen balinesischen Insel, an dessen Südseit Crystal Bay liegt, ist ruhig. Wellen können den Weg zu einem spannenden Erlebnis werden lassen, bei dem man sich manchmal festhalten muss.
Wir starten kurz nach acht und sind um neun im Wasser – eine kleine Gruppe mit Kirman, dem erfahrenen Divemaster, einem Vater mit seinem Sohn und einem bärtigen Burschen, von dem ich, außer, dass er ein guter Taucher ist, nicht viel weiß.
Kirman kennt die Mondfische. Ich bin einmal ohne ihn losgezogen und hab sie verpasst. Wie ich mich geärgert habe!
Es ist der 3.Juni, 2008. Die offizielle Mondfischzeit beginnt im Juli. Aber es gibt auch Taucher, die sagen, dass die Mondfische das ganze Jahr in der Nähe sind. Sie sollen, wenn das Wasser im Oberflächenbereich warm ist, also über 25 Grad, tief stehen. Gut, die Mondfischzeit ist die Zeit, in der die Tiere auch in Tiefen zu finden sind, in die man als Freizeittaucher gefahrlos kommen kann.

Am Anfang des Tauchgangs: Eine Seeschlange. Ich mag die eleganten, friedlichen Kerlchen.
Wir folgen dem Abhang, der die Felsen, am Eingang der Bucht, nach unten fortsetzt. Dort sieht man sie häufig im August und September. Wir tauchen in Richtung Kanal (Selat Toyapakeh), die tiefe, strömungsreiche Wasserstraße, die Nusa Penida von Nusa Ceningan trennt.
Plötzlich gibt Kirman ein Zeichen. Ich schwimme langsam, fast behutsam auf den Kerl zu. Dann an ihm vorbei. Die Videokamera läuft. Ich muss aufpassen, dass ihn meine Blasen nicht stören.
Ein zweiter, etwas darunter. Meine Maske beschlägt andauernd. Ausgerechnet jetzt. (Selber schuld: Ich hab die Zahnpasta vergessen.) Ich hole eine kleine Kompaktkamera aus der Tauchweste und fotografiere. Dann schalte ich die Videokamera wieder ein und filme und fotografiere gleichzeitig. Im Hintergrund, schräg über mir, die anderen Taucher, die nicht so tief wollen. Ich bin jetzt auf 45 Metern.
Ich blicke auf meinen Tauchcomputer, der mich mahnt, umzukehren.
Auf dem Rückweg zum Boot, bin ich über den anderen Tauchern, die nun näher zu einem weiteren Mondfisch sind. Der Bärtige macht ein Foto.
Kurz bevor wir in fünf Metern Tiefe den Sicherheitsstopp machen, schaue ich unter einen Korallenblock, unter dem ich vor ein paar Monaten einen Wobbegong – Hai gesehen habe. Nein, er ist nicht da.
In fünf Metern Tiefe drücke ich Kirman die Hand. Danke, toll, wie du die wieder gefunden hast.

Der nächste Tauchgang ist in Toyapakeh. Die Wassertemperatur ist mit 24 Grad an der “Mondfischgrenze”.
Ein Weißspitzenriffhai zieht mit dickem Bauch an uns vorbei. Ich schwimme ihm nach. In dreißig Metern erinnert mich mein Tauchcomputer daran, dass ich schon vorher tief war und nun schleunigst ins Flache muss. Die Korallen vor Toyapakeh sind häufig schöne Hirschkorallen.

Zum Abschluss PED, auf der Nordseite. Die Strömung ist stark. Die Wahrscheinlichkeit hier Mola Mola zu sehen, ist ziemlich gering. Aber vor Monaten habe ich in der Nähe meinen einzigen Walhai gesehen. Wir folgen der Strömung. Ein Skorpionsfisch öffnet ärgerlich sein Maul, als ich ein Foto mache. Ich schaue ab und zu schräg nach oben, um den Walhai nicht zu verpassen. Aber natürlich kommt er nicht.
Ich kann nicht lange tief bleiben. Der Stickstoff sammelt sich im Körper. Die letzten Minuten bin ich auf fünf Metern. Schön, die Anthiasbarsche über den Korallen, in deren Äste sie sich zurückziehen, wenn ich ihnen zu nahe komme. Bunte Federsterne grüßen mich, bevor ich meine Oberflächenmarkierung nach oben schicke.

 

 

Erste Begegnung mit einem Mondfisch in Tulamben Bali

Michael hat seinen ersten Mondfisch in Tulamben gesehen. Er hat das Erlebnis beschrieben und dem Taucher den Namen Bach gegeben. Bach und Michael sind hier ein und dieselbe Person

Wie die meisten Tauchplätze Balis sind auch die Tulambens von Mai bis Oktober besser als in der restlichen Zeit, schrieb Bach. In Tulamben ist vor allem die Sicht besser, fuhr er fort. Das Wasser ist kühler, was die Chance auf Großfische erhöht. Bach dachte an den Mola Mola, den er in Tulamben gesehen hatte und schrieb: Mola Mola oder Mondfische sind auch in der kühlen Jahreszeit seltene Gäste Tulambens. Diese Seltenheit hängt wohl damit zusammen, dass es in Tulamben wenig Strömungen gibt und dass auch das Wasser nie so kalt ist wie um Nusa Penida oder Mimpang. Bach erinnerte sich an den Sprung, den sein Herz gemacht hatte, als er das große pfannkuchenförmige Tier mit den hohen Rücken – und Bauchflossen in einer leichten Strömung erblickt hatte. Dann hatte er sich gefasst, auf den Auslöser der Videokamera gedrückt und war, den Sucher an der Tauchermaske, auf den großen Fisch zugeschwommen. Der stand im Wasser, als wäre er in einer anderen Welt versunken, vollkommen der Reinigung hingegeben, die zwei kleine Falterfische an ihm vornahmen. Bach sah ihn zuerst von vorne. Der Fisch ähnelte aus dieser Perspektive einem Geist, der in ein weißes Bettuch gehüllt, über dem Meeresboden schwebte.
Bach näherte sich weiter, war nur noch wenige Zentimeter entfernt, musste aufpassen, dass er den Fisch nicht mit der Kamera berührte, glitt rechts vorbei, sah durch die Kamera das Auge, das ihn an ein Pferd erinnerte. Dann war er über das Körperrund geschwebt, hatte die kurzen Rückenflossen gefilmt und musste einen neuen Aufnahmewinkel finden. Er hatte Angst, dass die Kamera versagen könnte, in diesem für ihn wichtigsten Moment seiner Laufbahn als Unterwasserfilmer. Er prüfte, ob die Kontrollampe die Aufnahme anzeigte. Sie zeigte die Aufnahme an. Bach drehte um, hielt die Kamera auf die kurzen Rückenflossen. Gern hätte er die ausdrucksvollen Augen auch aus dieser anderen Perspektive gefilmt. Aber das Tier wurde unruhig und schwamm davon. Bach spürte, wie sein Atem raste. Er versuchte langsamer zu atmen. Dann erst drückte er auf die Stopptaste des Videos. Es erschien ihm – wissend was bei Filmaufnahmen alles schief gehen konnte – zu früh zum Jubeln. Er jubelte Stunden später zu Hause, als die Kamera mit seinem Laptop verbunden war und es keinen Zweifel mehr gab, dass die Aufnahmen gelungen waren.

 

Mondfische am Wrack der Liberty in Tulamben, Montag 28. April 2008

Am Montag, 28.4.08 hatte Atsuko ein wunderbares Taucherlebnis in Tulamben, am Wrack der Liberty. Zwei Mondfische trieben gemütlich in 26 Meter Tiefe. Die Taucher konnten ganz nah rankommen an die wunderbaren Tiere, die tief versunken waren in die Annehmlichkeiten, die ihnen die Reinigung durch die Falterfische bereitete. Atsuko war begeistert. Mondfische sind selten in Tulamben. Noch dazu war es nicht kalt. Mondfische lieben kaltes Wasser. Deshalb sieht man sie häufig von Juli bis Oktober in der Cristal Bay vor Nusa Penida (Bali).
Die großen Papageienfische (bumphead parrotfish), die durch das Wrack streiften, sind auch etwas Besonderes. Aber natürlich verblassten diesmal die anderen, gewöhnlichen Eindrücke neben den seltenen Mondfischen. Es war ein Tauchtag, der sehr lange in Erinnerung bleiben wird.

1. und 2. Mai, 2008 Tulamben Bali auf der Suche nach den Mondfischen

Nachdem Atsuko von den Mondfischen erzählt hatte, „musste“ ich nach Tulamben zum Tauchen fahren. Ich fuhr allein los, mit dem Motorrad. Das war etwas Neues. Ich kenne die Tauchkollegen in Tulamben und das Leihen von Flaschen ist dort kein Problem für mich. Das Verstauen der Tauchausrüstung auf dem Motorrad war gar nicht so schwierig. Dazu kamen dann noch die Videokamera und das Unterwassergehäuse, Lampen und eine kleine Kompaktkamera in einem entsprechenden Gehäuse.
Die Kurven durch die Landschaft Balis sind wunderbar anregend. Die Fahrfreude wird nur durch dichten Verkehr getrübt, der durch schwarze Dieselwolken ausblasende Lastwagen, zur Geduldsprobe werden kann.
Als ich in Tulamben ankam, hat mich einer der Taucher beim Puri Mada, einer Bungalowanlage mit Restaurant, freundlich begrüßt.
Wie, mit dem Motorrad?
Ja, warum nicht? Das ist doch mal was anderes.
Eine halbe Stunde später war ich im Wasser. Wracktauchen an der Liberty in Tulamben, dem berühmtesten Wrack Indonesiens, wie ich glaube.
Nein, ich glaube nicht, dass ich jetzt auf Mondfische treffen werde. Die erhoffe ich mir am nächsten Morgen.
Der Tauchgang ist schön. Die Makrelen ziehen glotzäugig ihre Kreise. Die Sandaale dümpeln in der leichten Strömung. Süßlippen schauen wie immer beleidigt und drehen sich vorsichtig weg, um auf Nummer sicher zu gehen. Ein Zacki schwebt, seiner Würde bewusst, ins Innere des Wracks. Das Loch ist zu klein, um ihm nachzukommen.
Ich suche ein Weichkorallengitter nach Zwergseepferdchen ab und finde keines.
Etliche Reinigungkrabben hüpfen gleich neben der Weichkoralle auf und ab. Vielleicht halten sie mich für einen Kunden, dem sie die Zähne putzen wollen. Ich bin nicht in der Laune, das auszuprobieren, den Atemregler aus dem Mund zu nehmen und die kleinen, fleißigen Gesellen einzuladen, in meinen Rachen zu schwimmen. Außerdem machen mir solche Spielereien mehr Spaß, wenn sie jemand fotografiert.

Tulamben Nachttauchen. Die Farben sind intensiver als tagsüber. Ich liebe die gelben Korallenbüschel, die im Kegel der Taschenlampe leuchten wie kleine Sonnen.
Torpedoförmige Quallen zischen durch die Gegend wie die Gegenspieler von Raumschiff Enterprise. Das Wasser erinnert nachts sehr an die schwarzen Galaxien des Universums. Korallengebüsch, oder was immer das sein mag, bewegt sich Beute suchend über den Untergrund. Die stecknadelkopfgroßen Augen von kleinen Krabben leuchten und verleiten mich zu Fotos.

Ein großer Papageienfisch irrt orientierungslos durch das versunkene Schiff. Das Licht meiner Lampen bringt ihn aus der Fassung. Ein Pufferfisch rudert rundbäuchig vor einer roten Weichkoralle. Ich fotografiere einen dünnbeinigen kleinen Krebs, der sich an dürren Zweigen einer Koralle zu tarnen versucht.
Als ich nachschaue, wie viel Luft ich noch in der Pulle habe, sehe ich einen Federstern am Druckmesser hängen. Ich löse ihn ab und er krault vielbeinig durch die schwarze Unterwasserwelt.

Der nächste Morgen ist wunderschön. Die Sonnenaufgänge in Tulamben sind etwas Besonderes. Fischerboote am Horizont. Winzige Wellen lecken an den schwarzen Steinen, über die ich ins Wasser gehe.
Werden die Mondfische da sein?
Es ist schön, am Morgen zu tauchen. Die großen Papageienfische schweben in Gruppen spitzschnablig durchs Wasser. Die Makrelen sind wieder da. Mit ihnen wird das Wasser lebendig. Manchmal kreist ein Räuber, ein Angehöriger einer riesigen Makrelenart, um den Schwarm. Aber diesmal sehe ich ihn nicht.
Ich fotografiere spitzmündige Seehasen. Dann suche ich wieder die Weichkoralle nach den Zwergseepferdchen ab und finde wieder keines.

Den zweiten Tauchgang beginne ich kurz nach neun Uhr. Die Wahrscheinlichkeit, jetzt noch Mondfische zu sehen, erscheint mir gering. Aber vielleicht stecken die Kerle im Tiefen, denke ich und beschließe, dort nachzusehen.
Jenseits der vierzig Meter Marke finde ich eine orange Oberflächenmarkierung, die wohl jemand verloren hat. Der Schnurrest sieht aus, als wäre er gerissen. Ich rolle die Wurst zusammen und stecke sie in die Tauchweste.
Der Tauchgang ist wegen der Tiefe relativ kurz. Ich mache einen ausgiebigen Sicherheitsstopp. Die Sonne scheint. Es ist angenehm, mich richtig aufzuwärmen.

 

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